HELMUT WIMMER

Einführung von Peter Paszkiewicz / Bildhauer

zur Gemeinschaftsausstellung 'See You Tomorrow?’ von Helmut Wimmer/Photographie und Johannes Domenig/Objektkunst im OOE Kunstverein Linz.

 

Die Wechselwirkung zwischen beiden Disziplinen macht auf ein differenziertes und vielschichtiges Vorgehen aufmerksam. Es bietet uns Hinweise auf ein Dahinter, nochmals dahinter und dafür, was hinter diesem liegt.
Dass sich Helmut Wimmer mit seiner Fotoserie der nächsten Generation annimmt, setzt auf Hoffnung. Auf morgen.

Johannes Domenigs Werk stellt auf seine Weise eine Vielfältigkeit dar, die nicht festzumachen ist. Sein Vorgehen ist ein forscherisches, eines des Entdeckens. Mitunter eines das an archäologisches Vorgehen erinnert.

In diesem Zusammenhang sollte bewusst sein, dass das Vorliegende lediglich ein Teilaspekt des Gesamtwerkes ist.

Was vorliegt ist überzeugend, betrachten wir es als einen Beleg, der Ausdruck zweier Persönlichkeiten ist, die über die Qualität des Erreichten ein außerordentliches Niveau definieren. Insofern dürfen wir diese Konstellation als einen Glücksfall betrachten.

Die vorliegenden Werke werde ich ihnen nicht erklären. Sprache baut eine Medium immanente Sinnhaftigkeit auf, die nicht jene des Kunstwerkes ist. Kein Ding ist letztlich sagbar.

Vielleicht versuchen wir es anders.

Jeder von uns ist eine Einmaligkeit, ein Individuum. Ist es da nicht plausibel, dass, was wir erarbeiten, ebenso eine Einmaligkeit, ein Unikat ist? Sehen Sie, in der Kunst geschieht das.
Dass Sie, was ich sage verstehen, ist ein Beleg dafür, dass uns etwas Gemeinsames eigen ist, andernfalls hätten wir keine Sprache entwickelt.
Kunst pocht auf dieses Gemeinsame, bezieht sich darauf. Sie entsteht nicht auf rationaler, logischer Ebene,
sondern in der anderen Hemisphäre, über intuitives, sinnliches Vorgehen. Was dabei verknüpft wird, sind unterbewusste, unbewusste Wahrnehmungserfahrungen. Die neue Gehirnforschung  klärt uns auf, dass Wahrnehmung zu 0,01% im Rationalen Niederschlag findet und zu 99,9% im Unter- bzw. Unbewussten. Daraus können wir schließen, wo das ungleich größere Potential liegt, und Intuition bewegt es.

Kunst kennt weder richtig noch falsch und wir dürfen vermuten, dass soziale Intelligenz eine Rolle spielt beim Erarbeiten und Erkennen von Ordnung.
Kunst ist Ordnung.

Um uns selbst zu verstehen, benötigen wir ein Gegenüber. Wir begreifen dann erst, dass wir und wie wir sind. Das Gegenüber erfüllt die Funktion eines Korrektivs.
Eine Gesellschaft die Haben und Benutzbarkeit über alles stellt und den Rest nachreiht, benötigt ein zweckfreies Gegenüber, um die eigene Position erst hinterfragen zu können.

Stellen Sie sich das wie ein polares System vor, es funktioniert nur mit zwei gegenüberliegenden Polen. Das kann Kunst, sie ist zweckfrei, schon Kant stellt das fest und Adorno bekräftig es.

Die Idee des Korrektivs, dessen Einbeziehen, berührt existenzielle Interessen. Wir vernetzen dann weiträumiger und dichter und gelangen so bei Problemlösungen zu deutlich klareren Ergebnissen.

Wir alle wollen, dass dieser Abend Sinn macht, wir wollen ja auch ein sinnvolles Leben führen. Wenn Sie nur meine Worte hätten, würden sie ein wenig über die Tragweite der Kunst wissen.
Betrachten Sie aber die Arbeiten von Helmut Wimmer und Johannes Domenig, erleben sie Kunst, und das ist weitaus mehr als Wissen.
Ihr eigenes Erleben ist der Schlüssel zum Zugang, das kann man nicht delegieren.

Meine Worte waren nur eine Einstiegshilfe dazu, nichts sonst.